Polizei trainiert die Nacheile mit tschechischen Kollegen – Gemeinsames Zentrum als Vermittler
REGENSBURG/SCHWANDORF/KDYNE. Bei einer gemeinsamen Übung des Polizeipräsidiums Oberpfalz, der Bundespolizei und der Polizeibezirksdirektion Pilsen in den Abendstunden des 08.10.2014 lag folgender angenommener Fall zugrunde: Nach einem brutalen Raubüberfall im westlichen Lkr. Cham wurde eine Verkäuferin schwer verletzt. Zwei Personen flüchteten mit einem Pkw mit Chamer Kennzeichen in Richtung Tschechien.
Beamte der Bayerischen Landespolizei (mitte), der Bundespolizei (rechts) und der Tschechischen Polizei (links) arbeiten im Gemeinsamen Zentrum in Schwandorf rund um die Uhr Seite an Seite. Das GZ hat so eine wertvolle Schlüsselfunktion in der Zusammenarbeit der Polizeibehörden. Im Falle einer Nacheile stehen die beiden Polizeieinsatzzentralen Oberpfalz (Regensburg) und Pilsen sowie das GZ telefonisch in Verbindung.
Bei dem fiktiven Fall hatte eine Verkäuferin eines Supermarktes nach Verlassen des Kassenbereiches eine Ladendiebin gestellt. Die Frau hatte mehrere hochpreisige Kosmetika in ihre Manteltaschen gesteckt. Die Diebin wollte noch flüchten, wurde jedoch im Ausgangsbereich des Marktes festgehalten. In diesem Moment näherte sich ein unbekannter Mann, der die Verkäuferin tätlich angriff und sie durch einen Messerstich schwer verletzte. Ein hinzugeeilter Kassierer hörte noch, wie sich die flüchtenden Personen zuriefen, dass sie nach Tschechien „abhauen wollten“ und in einem VW Passat mit Chamer Kennzeichen davonfuhren.
Wie bei derart schwerwiegenden Straftaten in der Realität üblich, löst die Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums Oberpfalz in Regensburg sofort eine Großfahndung aus, in der neben Kräften der Landespolizei auch die Bundespolizei eingebunden wird. Auf diese Weise soll auf allen möglichen Fluchtrouten gefahndet werden. Ereignet sich die Tat in Grenznähe oder ist zu erwarten, dass Täter über die Grenze auf tschechisches Gebiet flüchten, wird umgehend auch die tschechische Polizei in die Fahndungsmaßnahmen einbezogen. Seit vielen Jahren ist dies gängige Praxis und bewährt sich immer wieder.
Nehmen Polizeikräfte die Verfolgung eines Tatfahrzeuges auf und flüchtet es über die Grenze, spricht man von einer so genannten Nacheile. Praktisch und rechtlich möglich ist dies in beide Richtungen: Durch deutsche Polizisten auf tschechisches Gebiet und umgekehrt, wenn die Verfolgungsfahrt in Tschechien ihren Ursprung hat, dürfen tschechische Beamte auf deutsches Territorium nachfahren.
Möglichst schnell und reibungslos muss jedoch die Verständigung der Polizei des Nachbarlandes von statten gehen. Wie es optimal ablaufen soll, ist längst in einem Konzept, nach dem die Einsatzzentralen in Regensburg und Pilsen vorgehen, geregelt. Beide Stellen sind dann direkt miteinander in Kontakt und kommunizieren über Dolmetscher, die rund um die Uhr im Gemeinsamen Zentrum (GZ) in Schwandorf zur Verfügung stehen. Dieses „Gemeinsame Zentrum der deutsch-tschechischen Polizei- und Zollzusammenarbeit“ ist eine Service-Dienststelle, in der tschechische und bayerische Polizeikräfte, die Bundespolizei und der Zoll beider Länder 24 Stunden am Tag arbeiten. Auf diese Weise können eilige Hilfsersuchen deutscher und tschechischer Behörden rasch abgewickelt werden. Die Nacheile ist ein klassischer Fall, bei dem das GZ schon in zahlreichen Fällen erfolgreich seine Schlüsselfunktion bewiesen hat.
In der vorliegenden Übung hatte eine Streifenbesatzung der Polizeiinspektion Roding das flüchtende Fahrzeug bis Kdyne auf tschechischem Gebiet, unweit der bayerisch/tschechischen Grenze, verfolgt und konnte es dort zusammen mit bereits herbeigeeilten tschechischen Polizeikräften stellen. In der Realität erfolgt die weitere Sachbehandlung durch die örtlich zuständige Polizei. Eine Auslieferung der Täter müsste im vorliegenden Fall von den deutschen Behörden im Rahmen eines förmlichen Rechtshilfeersuchens angestrebt werden.
Der Übungsleiter des Polizeipräsidiums Oberpfalz, Polizeirat Jürgen Dodell, war mit dem Verlauf der Übung zufrieden. Der für Einsatzangelegenheiten zuständige Führungsbeamte des Präsidiums stellte aber auch die Notwendigkeit derartiger Übungen heraus. Bei der Nacheile sind neben taktischen Überlegungen bei der Fahndung auch kommunikationstechnische Abläufe entscheidend und sprachliche Hindernisse zu überwinden.
Medienkontakt: Polizeihauptkommissar Thomas Plößl, Tel. 0049 (0)941 5061020 oder 5061004.
Veröffentlicht: 10.10.2014, 15.00 Uhr